Lauchpfannkuchen „Shanghai“/ Leek Crepes „Shanghai“

Sacht gehe ich,

so wie ich sacht gekommen war;

ich winke sacht

den Wolken des Abendhimmels zum Abschied.

Chen Cao, Dichter, Gourmet, Übersetzer mit einem Universitätsabschluß in englischer Literatur, ist vom Parteibüro zum Oberinspektor einer Spezialeinheit der Polizei in der Millionenstadt Shanghai ernannt worden- die Gründe hierfür blieben bislang sowohl uns wie auch Chen verborgen. Nun löst er mit Hilfe seines Kollegen Hauptwachtmeister Yu, spezielle Mordfälle in verschiedensten Milieus dieser riesigen Stadt, immer mischt sich der Parteisekretär ein, kritisiert die Arbeitsweise, drängt auf schnelle Ergebnisse, und es ist ein Vergnügen zu lesen wie meisterhaft Chen seine Arbeitsweise durchsetzt, wohlüberlegt formulierte Sätze die dem Parteisekretär noch jedesmal den Wind aus den Segeln nehmen.

Gently I go

as gently I have come

waving a gentle goodby

to the clouds in the evening sky.

Chen Cao, poet, gourmet, translator with a university diploma in english literature was appointed chief inspector of a special police unit by the political party bureau in Shanghai, that city of more than a million people. Why that appointment we know no more than Chen and so now he solves special cases with the aid of constable Yu, murder cases in all social circles, high and low, with the party secretary always critizising, interfering, pressing for quick results and it’s a pleasure how Chen always manages with a few well-considered and well-phrased sentences to work around that interfering character.

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Die Reihe um Oberinspektor Chen, geschrieben von Qiu Xiaolong, einem Exil-Shanghaier in den USA, bereitet mir immer wieder ungeheures Vergnügen. Shanghai wird lebendig beim Lesen, in Gegenwart und Geschichte, quer durch alle Gesellschaftsschichten. Immer wieder tauchen Gedichte auf, und natürlich wird gegessen, Nudelsuppe zum Frühstück, Dampfbrötchen mit oder ohne Füllung, Bettler-Huhn, Lauchpfannkuchen, Fleischbällchen und noch viel mehr.

„Bitte essen Sie solange die Bällchen noch warm sind“. Sie waren klein wie Wachteleier, der dünne Teigmantel war fast durchsichtig, und die Füllung aus Schwein- und Krabbenfleisch vereinte die Aromen von Land und Meer. Die Brühe die in ihnen eingeschlossen war floß bei der ersten Berührung seiner Lippen heiß und köstlich heraus. – Gedanken des Gourmet Chen. Und es geht noch weiter…

The mysteries solved by chief inspector Chen are a pleasure to read, written by Qiu Xiaolong– Shanghai born and emigrated to the USA. He brings Shanghai to life, its past and present, throughout all social classes, there are poems and of course there is food and drink; noodle soup for breakfast, steamed buns with or without fillings, beggars chicken, crepes, meatballs and a lot more.

„Please eat them when they are still hot“. The were small as quails eggs, the thin coating nearly tranlucent, and the filling of pork- and crabmeat united the flavours of land and sea. The enclosed broth ran out at first lip contact, hot and delightful. – Thoughts of Chen, the gourmet, to be continued….

Auch für uns ziemlich unvorstellbares kommt auf den Tisch- gebratene Spatzenmägen oder Sauna-Shrimps, lebendige Flußkrebse die der Gourmet am Tisch selbst zubereitet, erst mit Wein betrunken gemacht und dann auf heißen Steinen gegart. Liest man dies, wundert man sich nicht mehr dass chinesisches Essen hier in Deutschland und Europa den Ruf hat nicht authentisch zu sein…..

Also things we cannot imagine on our plates appear, fried sparrows intestines or sauna shrimps that come alive on the giurmet’s table, get soaked (and mercifully hopefully drunk) in white wine then grilled on hot stones. Reading this we know why chinese cuisine as practised in Germany and Europe has the reputation of being not authentic…..

Ich habe aus dem dritten Fall „Schwarz auf Rot“ ein kleines Gericht gewählt, das in dem Buch von einem Straßenverkäufer angeboten wird- ein wichtiger Zeuge im vorliegenden Mordfall an einer intellektuellen Dichterin. Und ich erhebe keinerlei Anspruch auf Authentizität, die Recherche nach einem Rezept gestaltete sich einigermaßen schwierig. Hier bin ich fündig geworden und habe mit den Vorgaben experimentiert. Sicher noch verbesserungswürdig, was die Verfahrensweise angeht, geschmacklich waren sie sehr gut- übriggebliebene hab ich aufgetoastet tatsächlich zum Frühstück gegessen wie das in Shanghai durchaus üblich ist. Wobei, über aufgebackene Pfannkuchen würde Oberinspektor Chen, der dichtende Gourmet, sicher die Nase rümpfen.

I chose a little dish out of the third case „When Red is Black“ – a streetvendor sells those. He is also an important witness in this case,  murder of an intellectual poetress. And I totally refrain from any claim on authenticity. Researching those crepes was somehow difficult, this was what I worked with and experimented about- and I left room for improvement, no doubt about that. The taste was very good and leftovers I toasted next morning and had them for breakfast as the Shanghai people do. Even if chief inspector Chen, that gourmet-poet, would sniff at that crisped up variety for sure.

Wie entstehen nun diese Pfannkuchen? Zunächst macht man einen Teig aus Mehl und Wasser, die Konsistenz ähnlich wie Strudel- oder Flammkuchenteig. Den läßt man nun mindestens eine Stunde ruhen.

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So, how did I go about those crepes? First the dough, mix flour and water until it resembles strudel dough and let rest for at least one hour.

Für die Füllung habe ich den Lauch fein geschnitten, das Mett aus der Wurst in etwas Öl sanft krümelig gebraten, den Lauch dazu gegeben und ganz kurz mitgedünstet, anschließend gewürzt, hier könnt ihr eure Fantasie und Erfahrung spielen lassen.

For the filling I sauteed the onion mett, added the finely cut leek and the spices- here you can use whatever fits your taste- and sauteed for two minutes.

Nun wirds spannend, der Teig wird möglichst dünn ausgerollt, mit der Füllung bestreut und zusammengerollt. So ganz gut hat das nicht geklappt…. die Füllung hatte wohl nicht die ideale Konsistenz und beim nächsten Versuch würde ichs mal mit rohen Zutaten versuchen. Anstelle Lauch werden auch oft Lauchzwiebeln verwendet. Die entstandene Rolle wird in 7-8 ungefähr gleich große Stücke geschnitten die nun ihrerseits wieder ausgerollt werden, unter Zuhilfenahme von viel Mehl. Die entstandenen Fladen werden dann in der heißen Pfanne in Fett ausgebacken- ich habe eine Mischung aus Rapsöl und Ghee verwendet, Schmalz wäre auch eine Möglichkeit. Die Pfannkuchen nehmen einiges an Fett auf.

Now the tricky part follows- I rolled out the dough as thin as possible, spread the filling on top, rolled up the whole thing. This did not go so perfectly so next time I would maybe mix the filling wothout sauteeing first. Also I could use spring onions instead of leek. The resulting roll I cut into 7-8 pieces, rolled those out on the heavily floured counter and the resulting flat crepes I fried in hot fat. I used a mix of rapeseed oil and ghee, lard would also be possible. The crepes soak up quite a bit of fat.

Einen Salat dazu, gibt ein kleines Mittag- oder Abendessen, was sich auch gut vorbereiten läßt denn die ausgerollten Pfannkuchen kann man durchaus im Kühlschrank ein paar Stunden aufbewahren bevor sie ausgebacken werden.

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With salad as company you have a nice small lunch, easy to prepare beforehand as the rolled out crepes keep in the fridge for some time before they are fried.

Hard Facts

250g Mehl/ flour

75-100g Wasser/ water

1 Stange Lauch/ leek

1/2 Zwiebelmettwürstchen/ onion mett, about 60gr

Gewürze: Sojasauce, Curry, Koriander, Quatre-Epices

Spices: Soy sauce, Curry, Quatre-epices, Cilantro

Fett zum Ausbacken/ Oil or ghee for frying

Noch mehr Klischees- Europa und China liegen halt doch sehr weit auseinander.

More clichees- there’s a lot of distance between Europe and China.

Wieder ein Beitrag für den köstlichen Lesehunger.

Another entry for the delightful „Book hunger“

17 Gedanken zu “Lauchpfannkuchen „Shanghai“/ Leek Crepes „Shanghai“

  1. Meine Mutter liebte chinesische Literatur. Ich weniger. Aber Dein Inspektor Chen hört sich interessant an. Ich bin gerade an Agatha Christie und ihren Inspektor Poirot. Ich liebe Deine Inspiration für die Küche, die Du aus den Büchern holst. Interessantes Rezept und bestimmt lecker.

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    1. Danke, liebe Anna- Die Bücher spielen in Shanghai- ob sie deswegen chinesische Literatur sind? Sie lesen sich jedenfalls ganz normal und sehr unterhaltsam. Agatha Christie mag ich auch sehr- irgendwann werd ich mich auch von ihr inspirieren lassen. Sie ist die Giftspezialistin, liest man das aufmerksam kann man einiges an pharmazeutischem Wissen aus ihren Büchern ziehen.
      Und zu den Pfannküchlein- dieses Neuland zu erkunden hat Spaß gemacht.

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    1. auch das, wobei mein Problem eher das Reißen beim Ausrollen war, ich hatte den Eindruck die Füllung war zu feucht und vielleicht auch etwas zu viel. Geschmeckt haben sie jedenfalls- für „Streetfood“ doch das Entscheidende.

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  2. LOL – Sauna Shrimps und betrunkene Flusskrebse – das ist noch eine Liste mit den harmloseren Speisen bei denen man sich noch keine richtigen Gedanken macht. Ich fange jetzt erst gar nicht an zu erzählen was ich sonst noch so alles auf dem Tisch rumkreuchen und fleuchen sah. Aber da ist mir so ein leckerer Pfannkuchen doch noch lieber.
    Ja, in der Tat weiß man in Deutschland nicht was richtiges Chinesisches Essen ist, zumindest habe ich noch kein richtig authentisches Restaurant entdeckt, habe wohl aber schon gehört dass es jetzt immer mehr geben soll (eines davon in Stuttgart).

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    1. ja, beim Schreiben hab ich des Öfteren an Dich gedacht… und was du wohl von meiner free-style Interpretation halten wirst. Die Bücher machen großen Spaß- und Pfannkuchen schmecken mir in jeder Lebenslage und Varietät.

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      1. Wie Du weißt bin ich ja auch ein großer Freund des Freestyles und ich finde solange es schmeckt ist immer alles gut, gell? Was ich hier schon alles gesehen habe, da muss man nicht immer alles so machen wie die, das ist dann manchmal auch gesünder so. Wenn ich nur an die Mengen von Öl denke die meine chinesische „Ayi“ (so was wie eine Zugehfrau) verkocht hat, da wird einem ganz anders…

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      2. ja, das war auch hier eine etwas fettige Angelegenheit- wobei aufs Frühstücksbrot schmieren wir halt die Butter drauf, die hab ich hier halt weggelassen und Obst dazu gegessen. Ich denk das viele Fett kommt durch die vielen „schnellen“ Zubereitungsarten…. morgen suchen wir eventuell eins diese unauthentischen China-Restaurants auf, für Mittagsbuffet.

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