Bridge-Club, Jackson, Mississippi

Die Geschichte spielt in Jackson, Mississippi, Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine Zeit die einige unter uns als Kind schon miterlebt haben. Eine Geschichte die es verdient gelesen zu werden, ich habs nun schon zweimal getan und den Genuß dadurch deutlich erhöht. Was wohl auch daran lag dass ich beim zweiten Durchgang auf der Suche war, nach Genuß, dem Event Lesehunger sei Dank, nämlich was die „guten Geister“ in den Küchen der – mehr oder minder- herrschaftlichen Häuser auf den Tisch brachten. Mehr so beiläufig passiert das, für einen Geburtstag wird  Erdbeer- und Schokoladenkuchen gebacken, Okras oder Bohnen aus den Gärten werden zu den typischen Südstaatengerichten verarbeitet. Wobei, ein Schokoladenkuchen spielt eine sehr unrühmliche, sehr wichtige Rolle- das lest ihr am Besten selber. Heute spielen wir Bridge; das monatliche Treffen dient als Camouflage für 4 junge Frauen zu tratschen. Die schwarzen Dienstmädchen reichen hausgemachte Limonade, Eistee und gefüllte Eier, das gute Silberbesteck kommt auf den Tisch- und muß anschließend, Stück für Stück abgezählt, von der schwarzen Hilfe wieder aufgeräumt werden.

Im Radio läuft derweil, unter Anderem, Musik eines ungefähr 14jährigen Jungen

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Die Hauptrolle in dem Buch gehört diesen schwarzen Dienstmädchen, die Rassentrennung ist so selbstverständlich verankert im Alltagsgeschehen, – entsprechende Gesetze (ausführlicher hier) waren  bis Mitte der 60er Jahre in Kraft 1964/65- dass ich sehr zum Nachdenken angeregt wurde- wie wäre das gewesen, wärst du eines dieser weißen Kinder gewesen? Oder eines der Schwarzen? Welches Sozialverhalten hättest du lernen können- wäre das Wichtigste, einen möglichst reichen Mann zu ergattern und das möglichst vor dem 25. Geburtstag- oder, auf der anderen Seite, wie du bestmöglich zum Familienunterhalt beitragen könntest, möglichst unauffällig und angepaßt um dich und andere nicht in Gefahr zu bringen?

Eine junge Dame der besseren weißen Kreise fasst den Mut, hört sich die Geschichten der „guten Geister“ an, schreibt ein Buch darüber- anonym- und verläßt am Ende Jackson, Mississippi, in Richtung New York, in Richtung Freiheit, zieht ihre Berufung, das Schreiben, jedem Ehemann, sei er noch so reich und attraktiv, vor.

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Jackson, Mississippi, at the beginning of the 1960ies, is where the story unfolds- at a time when some of us where already around as children. A story worth reading- I indulged myself twice already. For I was looking for indulgements, thanks to the event Lesehunger – Appetite for books– what came out of the capable hands of „the Help“, kitchenwise. This happens more casually, a birthday cake is needed- strawberry or chocolate? Okras and beans from the garden crop transform into those wonderful souther-style dishes. Ah yes, there is a chocolate cake that plays a part that is as important as it is disrespectful- read the book, and you will know.Today we look in on the brigde- club, a monthly excuse for 4 young ladies to exchange gossip. The black help serves iced tea, home-made lemonade and deviled eggs, the silver is put on the table and afterwards has to be put back, counted piece for piece, by the black maid while she listens to a young boy of about 14 years on the radio (see above). And more music, of course.

The leading part belongs to those black maids, the colour bar is firmly in place and dominates the day-to- day-life, segregation laws were valid until 1965. And I started reflecting- what if you would have been one of those white girls? Or one of the black ones? What kind of social consciousness would you have been able to develop when the highest achievement would have been a substantial husband before the 25th birthday? Or, on the other side of town, to contribute to the family sustenance as soon as possible, preferably in a nondescript manner as not to attract danger to you and your family?

A young woman from the white upper circles takes heart, listens to the stories those black maids have to tell, writes a book, – anonymously- and in the end brakes free from Jackson, Mississippi, to live as a writer in New York- no husband in sight.

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Also, stellen wir uns in die Küche, um die Ladies stilecht zu bewirten, pressen Zitronen aus, schneiden weitere Zitronen in möglichst dünne Scheiben, Zucker, Salz, kaltes Wasser dazu, die Eiswürfel und Minze-Blättchen wandern direkt in die Gläser.

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So, lets work in he kitchen to serve the ladies in proper style. We squeeze lemons, cut other lemons in small slices, mix with sugar, salt, cold water; ice cubes and mint leaves go into the glasses before serving.

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Eier kochen auf Südstaaten-Art geht so- das Wasser soll über den Eiern stehen, sie werden kalt aufgesetzt, Salz und Essig ins Wasser,  schnell hochgekocht und dann sofort von der Hitze genommen, nach exakt 10 Minuten kalt abgeschreckt- dabei sollten die Eierschalen gleich angeknackst werden um  eine Blau-Färbung der Dotter-Ränder zu verhindern- das klappt tatsächlich!

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Eggs boiled „southern style“- they should be covered with water, salt and vinegar added, bring to boil and remove from the heat immediately. After sitting in the hot pot for exactly 10 minutes run cool water over the eggs, cracking the peel in the process to prevent blue-coloured yolks- and that does work! 

Dann werden die Eier geschält, halbiert oder von oben ca 1/3 abgeschnitten, die Dotter vorsichtig (!) ausgehoben. Hier stellt sich heraus dass die Kopf-ab-Methode für mich nicht die Richtige ist, das Eigelb läßt sich nicht ohne Schaden für die Eiweiß-Hülle hinausbefördern. Mayonnaise zu den Dottern- selber gekaufte, selbstgemachte wäre natürlich um Vieles feiner-, und die restlichen Zutaten gut vermischt, erst mit der Gabel, dann kurz mit dem Pürierstab. In die Eihälften eingefüllt, mit feinsten Schnittlauchröllchen garniert….

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So, und wer spielt nun Bridge mit mir? Könnt ihr? Oder kommt wenigstens zum Tratschen……

I peel the eggs, cut them lenghtwise or remove 1/3 of the top, remove the yolks and note- the head-removing method is not the best for impatient me, the white shells do suffer. Add mayonnaise to the yolks (store-bought; homemade would be even better) and all the other ingredients, mash first with a fork then use the hand-held blender. Fill the egg-whites with the mix, garnish with fine-cut chives…..

And now, who will come to play bridge? Can you? Or come to gossip, at least…..

Hard Facts

Lemonade

3/4 Tasse frisch gespreßter Zitronensaft/ cup freshly squeezed lemon juice

3/4 Tasse Zucker/ cup sugar

1 gr Salz / salt

1 Zitrone in dünnen Scheiben/ lemon thinly sliced

Minze-Blättchen/ fresh mint leaves

Gefüllte Eier/ Deviled Eggs

4 Eier / eggs

1Tl Salz / tsp salt

1/2 El Essig/ vinegar

Füllung/ filling

4 Eigelbe/ eggyolks

3 Prisen Salz/ pinches salt

1/4 Tl Zucker/ tsp sugar

4 El Mayonnaise/ Tbsp mayonnaise

2 Tl Senf / mustard

1 El Sahne/ cream

Garnierung/ Garnish

Schnittlauch/ chives

Meine inspirierenden Quellen

Inspiration found here

P1010189

Ups, hab ich doch glatt vergessen das Silber rauszuholen…. immerhin hab ich die passende Musik aufgelegt- für Zeit und Gegend dieser Gegend- denn:

Ooops, I forgot to lay out he silver….. at least I played the right kind of music- according to time and place- because:

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The Times they are a-changing

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11 Gedanken zu “Bridge-Club, Jackson, Mississippi

  1. Ich würde dann auch eher zum netten Tratsch als zum Bridge vorbeisehen. Und besonders, wenn es gefüllte Eier gibt! In meine wandern Lachs, Frischkäse und natürlich auch frischer Schnittlauch. Vielen lieben Dank für deine Teilnahme, deine Gedanken und die gute Musik!

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  2. Ich hatte gerade meinen Lesehunger mit „the Other“ von David Guterson gestillt. „The Help“ kenne ich als Verfilmung. Was da so serviert wurde, habe ich wegen der Handlung ein wenig übersehen. War aber eine premierter Film der sehr unter die Haut ging und einen Oscar gewonnen hat.

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Den Film kenne ich nicht- im Buch spielt das Essen schon eine gewisse Rolle- der infame Schokoladenkuchen, klar, aber auch die Bemühungen Kochen zu lernen bzw zu lehren.
      Guterson fehlt mir auch noch.
      Schönes Wochenende!

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  3. Bridge kann ich auch nicht…ich komme zum Tratschen.
    Die gefüllten Eier waren bei meinen Eltern früher immer „russische Eier“ mit diesem tollen Kaviar-Ersatz😉
    Und ich bin begeistert, was für Buch-Schätze bei diesem schönen Event zutage gefördert werden.

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    1. bei uns gabs auch gefüllte Eier, da kam Sardellenpaste rein. Und ich mochte die immer sehr. Ja, und ne Tratschrunde, so regeömäßig wiederkehrend, das wär doch was…..
      Dieses Event dürfte von mir aus zur Dauer-Einrichtung werden, das macht so viel Sapß….

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  4. Ein sehr schöner Beitrag, der bei mir gleich auch Lesehunger geweckt hat.
    Früher gab es auch immer gefüllte Eier bei uns. Die muss ich doch mal wieder machen, nach Deinem Rezept!
    Danke für die Erinnerung!
    Saluti
    Ariane
    P.S. : Bridge kann ich leider nicht spielen, kann also nur zum Tratschen kommen ;-)…

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