Unerwartete Begegnung

oder unverhofft kommt oft…. nach einem üppigen Freitagabend-Menü beim Lieblings-Sizilianer, unausgeschlafen, noch vor der Arbeit über den samstäglichen Markt gehetzt mit nicht einmal einer vagen Idee was ich denn würde essen wollen, wenn mein System irgendwann in noch nicht vorstellbarer Zukunft „Hunger“ melden würde. Durch die Bewegung in der Kälte kam mein Kreislauf immerhin soweit in Schwung dass die müden Augen im Vorbeigehen ein großes rotes B an der Hühnerauslage wahrnahmen. Anhalten, Rückwärtsgang einlegen, genau nachschauen- steht da wahrhaftig- Bresse-Huhn! Mit einem Strahlen im Gesicht gehts ans Verhandeln, welches der zwei Exemplare wohl für mich das Geeignetere wäre und ob die wirklich sooo viel besser sind als andere Hühner? Voller Überzeugung sag ich ja! War auch nicht gelogen, die Überzeugung,  denn ich hatte schonmal das Glück eins zu erwischen, ist mindestens schon zwei wennicht gar drei Jahre her.

Nunja, so wanderte das kleinere der beiden Bresse-Hühner (2,2 kilo) in meinen Rucksack, und ich mußte mich sputen um pünktlich bei der Arbeit zu sein.

Dort war der Großteil meiner Konzentration darauf gerichtet- was fange ich nun mit dem Huhn an? Wie werde ich diesem seltenen Stück gerecht, mit wenig Aufwand und wenigen Zutaten- mangels Zeit und mangels Masse?

Wer nun in der blogosphere schon einmal nach Hühner-Rezepten gesucht hat, stolpert unweigerlich über dieses, wie hier, hier, hier, – Zitronen wußte ich sind im Haus und eine unkomplizierte Beilage würde mir schon auch noch einfallen, irgendwie Brot mit Oliven schwebte mir vor.

Irgendwann war dann auch für mich Feierabend und endlich Wochenende, nun konnte ich meine volle Konzentration dem Huhn und seinem Drumherum widmen.

Zwar steht in nahezu jedem Bericht zu diesem Rezept- keine Abwandlung, keine angebliche Verfeinerung, nix, nur so wie es dasteht. Nun, was die Zutaten angeht habe ich mich auch daran gehalten. Ein Bad in einer brine, so dachte ich, kann doch allerdings den Genuß höchstens noch steigern, und so schwamm das Huhn bald in einem Bad aus Salzwasser mit ein paar Zitronenstückchen zur Gesellschaft.

Huhn in der brine
Huhn in der brine

Ein noch im Kühlschrank vorhandener Pizzateig wurde aufgefrischt und zum Gehen auf die Heizung gestellt, nachdem er sich zur Zufriedenheit entwickelt hatte hab ich eine Handvoll vermischter Oliven grob zerkleinert, unter den Teig geknetet, diesen auf Mehl zu einer ungefähren Rolle geformt und Brötchen abgeteilt, die durften die Nacht in der kühlen Speisekammer verbringen.

Sonntag! Zu Ehren des Huhns gab es französische Musik am Sonntagmorgen, bevor dann der Backofen seine Arbeit aufnehmen durfte um die Genüsse der Vollendung entgegen zu führen.

Zunächst die Brötchen, die hab ich 23 min bei 220° (Ober-Unterhitze) gebacken, mit einem Schwung Wasser zum Schwaden.

feine Olivenbrötchen
feine Olivenbrötchen

Dann kam das Huhn, das inzwischen abgetropft, mit Zitronenpfeffer gewürzt und mit 3 Zitronen im gut verschlossenen Bauch  versehen war, in den Ofen- bei 180°, zuerst auf der linken Seite 25 min, dann auf der rechten Seite 25 min- den Trick hatte ich mir bei der tomatenblüte abgeguckt- dann 25 min auf dem Rücken, beim Wenden die Brust mit dem angesammelten Bratensaft eingestrichen. Und hoch mit der Temperatur auf 200°, nochmals 25 min- die Wartezeit war sehr lang, hart und unmenschlich, stundenlang die Düfte nach frischen Brötchen, Oliven, Huhn….. endlich wars soweit.

Keinerlei Blässe erkennbar
Keinerlei Blässe erkennbar

Und, was soll ich sagen- ein seltener Hochgenuß, würde mich die Marktfrau nochmal fragen würde ich dieses Ja!!! mit drei Ausrufezeichen versehen. Qualität braucht nicht viel Brimborium um zu wirken…..

endlich!
endlich!

Hard facts

Olivenbrötchen:

eine Portion Pizzateig aus ungefähr 300g Mehl, Anregungen hier und hier

eine Handvoll gemischter Oliven

Huhn:

1 Bresse-Huhn (kann natürlich auch ein anderes sein) hier: 2,2kg

für die Brine 3l kaltes Wasser, 60g Salz, 1/2 Zitrone in Stücke geschnitten (kann auch eine ganze sein)

mindestens 12, längstens 24 Stunden ziehen lassen, mehrmals wenden

frisch gemahlener Pfeffer- hier Zitronenpfeffer

2-3 Zitronen, heiß gewaschen, gerollt dass der Saft sich besser löst, mehrfach mit einer Rouladen-Nadel eingestochen.

Echt überschaubar- oder?

Und wenn jetzt noch jemand eine Idee hat was ich mit dem ausgelaufenen Fett anstelle- das ist richtig viel, aber Hühnerschmalz????

Sonntagabendmusik….

10 Gedanken zu “Unerwartete Begegnung

  1. Mmh, ich seh schon, bei Geflügel haben wir den gleichen Geschmack😉 gute Hühner und Gänse und so, wenn ich an einem See vorbeilaufe, seh ich die Enten ja schon gleich mit den Manschetten um die Füßchen *schäm*😉

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    1. Manschetten um die Füßchen- die hatte ich tatsächlich mal im Elsaß, lang lang ists her… gute Hühner mochte ich auch schon als ich noch kleiner war. Und das Landleben hat die Sinne für gute Lebensmittel deutlich geschärft…. nicht nur bei die Hühner

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    1. immer garnicht, höchstselten flattern die hier und auch nur weil der Marktbeschicker Verwandtschaft in Frankreich hat- immerhin schöne label-Rouge Hähnchen gibt es fast immer und auch Bio-Hühner in ordentlicher Größe.

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  2. Hi, meine Liebe, sehr lecker sieht es aus, dieses Bresse-Hühnchen! Und warum solltest Du aus Hühnerfett kein Schmalz zubereiten können, aus Gänse- und Entenfett macht man das ja auch? Ich würde dafür allerdings keinen Flomen nehmen (zur Verfestigung des flüssigeren Geflügelfettes) sondern Lardo (muss keiner aus der Toskana sein, es geht jeder andere italienische) kaufen, diesen in kleine Würfel schneiden (vorher anfrieren lassen, dann geht’s leichter) und langsam auslassen, bis sich Grieben bilden, danach mit dem Hühnerfett mischen. Wenn das Schmalz langsam fest wird, noch ein paar Röstzwiebeln (das geht auch mit fertig gekauften, die sind weniger fett als die selber zubereiteten) untermengen und kühl stellen. Du kannst natürlich auch Zwiebel- und Apfelwürfel zusammen mit dem auszulassenden Fett garen – es gibt da mannigfaltige Möglichkeiten. Würzen würde ich mit wenig Salz (vorher probieren, denn Lardo ist manchmal schon gesalzen), Pfeffer und Rosmarin, letzterer macht sich besonders gut im Geflügelschmalz. Versuch’s einfach mal! Liebe Grüße, Elvira

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    1. Sehr gute Idee, liebe Elvira- irgendwie ging meine Vorstellung nur in Richtung Bratfett, davon hab ich erstens noch genug von der Weihnachtsgans, und zweitens aus Huhn kann ich mir das nicht so recht vorstellen. Also wird es demnächst Schmalzbrote geben, wie fein, vielen Dank
      und liebe Grüße zurück
      Ninive

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