Insel- Faszination

Inseln üben auf die Menschen eine besondere Faszination aus, sind Sehnsuchts-Orte, beschäftigen die Fantasie. Die Frage ist beliebt- welche 3 Dinge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen? Wahlweise, welches Buch, welche LP – in Zeiten von i-pod und e-reader sehr überflüssige Fragen….

Zahlreiche Dichter, Romanciers und weitere Angehörige der schreibenden Zunft haben sich auf und über Inseln ausgetobt- man denke nur an Die Schatzinsel ; Robinson Crusoe ; sogar ein ganzer Verlag trägt den Namen „Insel.
Wir, die wir auf dem mitteleuropäischen Festland etliche 100 Kilometer weit vom nächsten Meer entfernt zuhause sind, versuchen unsre Insel-Sehnsüchte durch Reisen zu stillen. Viele viele solcher Inseln gibt es- manche Inselreisende möchten möglichst viele davon auf ihren Reisen sammeln, andere sind „ihrer“ Insel treu, manche, so wie ich, sammeln und sind gelegentlich treu.
Die erste Insel in meiner Sammlung ist Sylt– da kam ich sehr zufällig hin, als Begleitperson für einen Haufen Kinder die „zur Erholung“ fuhren, der Aufenthalt währte nur einen Tag und eine Nacht. Ein Adressbüchlein als Souvenir führt mittlerweile ein Rentnerdasein in einer meiner Schreibtisch-Schubladen.

Die nächste Insel durfte sich zwei Wochen lang meiner Anwesenheit erfreuen, ein „last minute“-Trip, nach dem Studium, endlich etwas Geld in den Taschen ging es auf die Mittelmeer-Insel Kos. Ich erinnere mich an Meer, Strand, Vespa, Wassermelonen und Berge von Vorspeisen, zum Erstaunen der Griechen kamen wir fast gänzlich ohne Hauptgerichte aus- Moussaka im Hotel „Bristol“ ausgenommen.

Viele Jahre mußten die Inseln ohne mich, und noch schlimmer- ich ohne sie- auskommen, bis Korsika, die Piraten-Insel rief. Die Anreise per Fähre- zu Beginn der Pfingstferien war diese fest in baden-württembergischer Hand-  war schon ein Erlebnis. Haben wir Delphine gesehen, oder wurde mir davon erzählt? ich weiß es nicht mehr ganz genau, möglich gewesen wäre dies zweifelsohne. Zwischenzeitlich hatte ich Baedecker für mich entdeckt; das für diese Reise passende Exemplar verführte uns zu Wildschwein und Schmalspurbahn- Fahren; Pizza à emporter haben wir selbständig entdeckt und die Kinder lernten schnell, auch ohne französische Vorbildung, Croissants wahlweise mit Butter oder Margarine, Pain au Chocolat und Baguette einzukaufen. Zahlreiche Mitbringsel kulinarischer Art wanderten mit nachhause, und es gab Kindertränen bei der Abreise…

Ein paar Jahre später- Sizilien! Hier lernte ich, dass eine Rundreise im Bus sich mit meiner Vorstellung von Reisen nur schlecht verträgt, und dennoch- oder vielleicht gerade deswegen- der Wunsch diese Insel näher kennenzulernen ist groß. Stimmungen eingefangen, auf dem Ätna, in den katholischen Kathedralen des Nordens, in den antiken Tempeln des Südens, – und das Essen! Glücklicherweise gibt es  Bücher, eins der schönsten zum Träumen ist sicherlich dieses. Zudem, die Ära der Gastarbeiter hat viele Sizilianer hierzulande heimisch werden lassen, und so  verschönert die eine oder andere sizilianische Köstlichkeit den Alltag hier immer mal. Souvenirs, keine Frage- ein Schmuckstück aus Lava-Steinen durfte mit nachhause, und natürlich, Schuhe, das muß in Italien einfach sein.

Um eine Insel reicher bin ich inzwischen- und treu…. „meiner“ Insel Hvar, (sprich „Kwar“) in der kroatischen Adria gelegen. Hier komme ich zur Ruhe, ein Gegenpol zum aus- (manchmal auch über-) füllten Alltag zuhause. Die An- und Abreise sorgen für das Quäntchen Abenteuer, der Weg vom Flughafen in Split an den Hafen zur Fähre und umgekehrt provoziert immer wieder Adrenalin- Stöße. Reicht die Zeit um Bus zu fahren, fährt überhaupt einer, (Fahrpläne für diese Strecke hab ich bisher noch keine gefunden); ich könnte ein Taxi nehmen und damit den Fahrpreis verzehnfachen….

Einmal angekommen, setzt sofort Schlafbedürfnis ein und verläßt mich nicht wieder solange ich dort bin. Hier gehören meine Tage mir nur ganz alleine, ich kann mein Hirn auslüften, die Zeit komplett vergessen, das Meer ständig in Sicht und Hör-Weite.

fast in Reichweite, das Meer

Zu diesem Genuß der Freiheit und Ruhe trägt meine freundliche Gastgeberin wesentlich bei, samt ihrer Familie die mich nicht nur zu regelmäßigen Spaziergängen  auffordert

na, kommst du mit?

sondern auch aufs Köstlichste bekocht. Neulich charakterisierte ein Kroatien-Urlauber die dortige Küche so: Fisch mit Fisch, Fleisch mit Fleisch, und Alles vom Grill….

das ist ein Grill!

tatsächlich schmeckt frisch Gefischtes, was nur wenige Stunden später auf dem Grill landet, hervorragend gut, braucht nicht viel Beiwerk und kriegt es auch nicht. Ein wenig wundert mich nur dass Rosmarin, der wild in rauhen Mengen wächst und gedeiht, so wenig in den Küchen auftaucht. Olivenöl, Wein, Gemüse, Kartoffeln, – nahezu alles was aufgetischt wird stammt von den eigenen Feldern- wo findet man noch so etwas? Da braucht es keine Rafinessen auf dem Teller….

Und so, kaum wieder zuhause, fange ich an zu überlegen wann wohl die nächste Atempause auf „meiner“ Insel möglich sein wird….

11 Gedanken zu “Insel- Faszination

  1. Deine Ruheinsel klingt mir sehr sympathisch.
    Weniger reizen würde mich deine Art der Anreise, wir würden da wohl das Auto, Fähre usw bevorzugen, mit Bus durch die kroatische Gegend zu fahren, reizt wenig. Ich denke aber du hast noch eine längere Anreise als wir hätten, von daher verstehe ich es schon.
    Meine kroatische Lieblingsinsel ist bisher Pag, dieses Jahr sind wir auf Vir.

    Gefällt mir

    1. Also, ich fliege ja bis Split, von dort aus Fähre, und der Rest mit dem Taxi, das sind nur noch 10 min oder so. Und ich bin allein unterwegs, da scheidet das Auto aus- der Bodensee war mir schon fast zu viel.

      Gefällt mir

      1. Ja das verstehe ich eh.
        Für uns isses halt doch ein bissl näher und da ist das Auto ganz gut.
        Mein Mann hat sowieso am liebsten sein Auto dabei um jederzeit heimzukönnen (wegen unserer Damen, die ja daheimbleiben) und um auch im Urlaub mal wohinfahren zu können.

        Gefällt mir

  2. „Wetterküche von Europa“ ist wohl eine sehr treffende Beschreibung für die Azoren. Die ersten Tage auf Sao Miguel waren warm und sonnig, also echtes T-Shirt Wetter. Unser kleiner „Hüpfer“ von etwas über 300 km rüber nach Faial brachte Veränderung. Während auf der Nachbarinsel weiter die Sonne schien, streiften uns die Orkane, die Amerika durcheinander wirbelten. Ich schaute morgens hinunter auf die Terrasse und sah eine herrenlose Schubkarre vorbeifahren und einen Hotelbediensteten, der Dachziegel zusammenkehrte. 3 Tage Sturm und Regen hielten uns nicht davon ab, die Insel zu erkunden und unter anderem hinauf zum Krater zu fahren um einen Blick auf den See zu werfen. Den Blick konnten wir schon werfen, allerdings kam er im Dunst des Nebels nicht sehr weit, der Vulkansee sah aus wie eine dampfende Suppenschüssel. Wir sind wieder hinunter zur Küste gefahren und haben den Wellen zugesehen wie sie den Klippen endlos entgegenrollten, auf die Vulkansteine trafen, und in Millarden von Wassertropfen zerplatzten.

    Gefällt mir

  3. War ich im Leben schon mal auf einer Insel ? Diese Frage stellte sich mir, als ich Deine Beschreibung las. Nach einigem Nachdenken kamen doch ein paar Inseln aus dem hintersten Winkel meines Hirnes nach vorne und jede war anders.

    Fangen wir mit Formentera an. Vor vierzig Jahren war dort noch nichts los. Der Strand war nicht überlaufen und die Kellner in den kleinen Hotels schenkten die Gläser sehr, sehr großzügig ein.

    Sylt im November, das war auch so gewollt. Wir wollten die Herbststürme miterleben und durften das auch. Nadelstiche vom Wind im Gesicht und an der Laterne festhalten, damit es einen nicht wegweht.

    Die Kykladen mit einem Zweimaster besucht. Mein erstes Segelerlebnis. Eine Woche lang war mir nur schlecht. Der Hummer schmeckte nicht und alles andere auch nicht. Die Inseln waren traumhaft wegen der totalen Unterschiede. Trubel auf der einen Insel und Einsamkeit auf der nächsten.

    Kreta war toll, wir sind mit den Autos in die entlegensten Winkel gefahren und haben in urigen Kneipen in der Küche ausgesucht, was wir essen wollten.

    Von Krk sind wir einige Male losgesegelt bis hinunter zu einem einmaligen Naturschutzgebiet – den Kornaten. Ruhe, Einsamkeit und sagenhafte Buchten mit glasklarem Wasser luden uns ein direkt von Deck hineinzuhüpfen.

    Lanzarote – die schwarze Insel. Gewöhnungsbedürftig aber wunderschön. An der Westküste im kleinen Ort El Golfo saß ich stundenlang und habe den Wellen zugesehen, wie sie gegen die Felsen schlugen und die Gischt meterhoch spritzte.

    Die Azoren sind in wenigen Tagen dran, darauf freue ich mich sehr, die Landschaft dort ist traumhaft.

    Gefällt mir

    1. Ui, Ralf, das sind ja einige Inseln die du schon gesammelt hast! Das Aussuchen in griechischen Küchen ist mir auch noch in Erinnerung- und wie wenig die hiesigen griechischen Lokale auf den Einfallsreichtum ihrer heimischen Küche zurückgreifen, schade ist das. Viel Spaß und wunderschöne Tage auf den Azoren wünsch ich dir- in der „Wetterküche Europas“ …

      Gefällt mir

  4. Liebe Nini,

    Hvar ist mir bestens bekannt, obwohl ich noch nie dort war.
    Zwei meiner Arbeitskollegen stammen von da und erzählen viel. Fisch…Fisch…und Salzlamm und…ach jetzt bekomme ich ein bisschen Fernweh… 🙂

    Gefällt mir

  5. O ja – M.’s Gregada, S.’s gegrillten Fisch oder Fleisch unter der Glocke, das ist uns noch in lebhafter und guter Erinnerung!!! Vielleicht klappt’s bei uns ja auch mal wieder mit Hvar… Schön ist er, Dein Bericht über Inseln und ein paar davon haben wir auch schon erleben dürfen wie das erwähnte Hvar, Sizilien und Korsika, aber auch Elba, Sardinien, die liparischen und noch ein paar istrische/kroatische Inseln, Kreta, Skiathos, Mallorca, Ibizza und Teneriffa. Am schönsten finden wir aber immer wieder Sardinien, das ist Italien und doch auch irgendwie nicht, wunderschöne Natur und das türkisfarbene, kristallklare Wasser – einfach ein Traum!

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s