Sprache ist weiblich. Ist Sprache weiblich?

Heute morgen beim Studium der Zeitung (untermalt vom Lärm der Baustelle vor dem Nachbarhaus, der mich viel zu früh aus meinem erholsamen Schlaf geholt hat) fiel mir gleich mehrfach der Umgang unsrer Sprache mit uns Frauen auf.

Auf einer Seite mit Freizeit-Tipps fürs Wochenende findet sich ein Artikel: „Weibliche Kurven“ war er überschrieben, was mich zum näheren Hinschauen bewegt hat. Untertitel- Geführte Motorrad-Touren für Frauen. Zwar bin ich keine Motorrad-Fahrerin, dennoch hab ich den Artikel gelesen- insofern ist die Überschrift gut gewählt…. und das Lesen hat sich durchaus gelohnt, – am Ende wurde eine Fahrerin der frühen Jahre zitiert- Ist Motorradfahren für Frauen schädlich? Ihre Antwort- Zweifellos! Besonders für den Charakter. Es erzieht die Frau zur Selbständigkeit.

Das war 1927, sie war sicherlich eine mutige Frau, sich damals im Motorsport zu behaupten, ja, sich überhaupt dahin zu wagen- ist dies doch auch heute noch eine sehr männlich dominierte Angelegenheit.

Die Dame hieß Hanni Köhler, die Suche auf üblichen internet-Pfaden fördert auf den ersten Blick  nur Randnotizen zu Tage….. die Frau ist nicht der Rede wert? (s.u.)

Zweiter Hingucker- ein Foto voller junger Frauen, im strahlenden Sonnenschein, Bildunterschrift:

Angehende Erzieher mit guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Zweimal geblinzelt, weitergelesen, – tatsächlich steht da, 49 Erzieherinnen, 4 Erzieher und 14 Kinderpflegerinnen …… und bei genauerem Hinschauen entdecke ich doch tatsächlich ein paar wenige männliche Gestalten.

Gegenbeispiel: (rein fiktiv)

In Eutin verordnete mann sich jüngst eine radikalfeministische Sprache. Seitdem gibt es dort nur noch Eutinerinnen, knapp die Hälfte davon sind Männer.

Ein Beispiel sagt mehr als tausend Worte…. die 6%ige männliche Durchdringung der angehenden Erzieherinnen führt automatisch zum plötzlichen Geschlechterwechsel, wie fühlen sich denn die angehenden Erzieher (die eh Seltensheitswert besitzen, aber das ist eine andere Geschichte) in einer eindeutig weiblich benannten Gesellschaft? Ein Ding der Unmöglichkeit.

Wirklich?

Wie weiblich ist diese unsere Sprache?

Wie fühlen wir Frauen uns damit?

Sehr schöne Lektüre zum Thema:

Luise F. Pusch: Die Frau ist nicht der Rede wert

Benoite Groult: Meine Befreiung (ältere Ausgabe: Leben heißt frei sein)

Wie fühlt ihr euch- Männer und Frauen- unter Einwohnerinnen, Erziehern, Lesern und Leserinnen, ist das Thema euch überhaupt einen Gedanken wert, so hin und wieder?

6 Gedanken zu “Sprache ist weiblich. Ist Sprache weiblich?

  1. so ganz nur deutsch ist das Thema allerdings nicht- französisch kennt zum Beispiel den Ausdruck „Madame le Ministre“ und Ähnliches- das allgegenwärtige englisch bietet weniger Angriffsfläche.
    Und es ist ganz klar dass sich eine Sprache die sich über mehr als tausend Jahre in patriarchalischen Gesellschaften entwickelt hat, sich nicht von heute auf morgen ändert. Da im Gebrauch der Sprache viel Macht steckt, ist es durchaus lohnenswert, diese bewußt zu gebrauchen und mal hin und wieder ein wenig über deren Gebrauch zu reflektieren.

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  2. Ich mach’s mal für meine Verhältnisse recht kurz bei diesem Thema.
    Ich mache mittlerweile weder beruflich noch privat einen Unterschied und finde die schriftlichen Verrenkungen von weiblichen Kollegen bzw KollegInnen bzw Kolleginnen und Kollege eher störend und wie bereits gesagt wurde, gibt es das mehr oder weniger auch nur bei unserer Sprache, was darauf schliessen lässt, das der männliche Dominanzanspruch stark in unserer Gesellschaft verwurzelt ist und daher wohl immer wieder extra betont werden muss, dass Menschen sowohl weiblich wie auch männliche Menschen beinhaltet, wobei ich auch schon Menschin gelesen habe …

    Übrigens scheue ich mich auch nicht zu einer guten Freundin Freundin zu sagen und nicht „weiblicher Freund“, was ja hin und wieder von Männern benutzt wird, um das Platonische einer Freundschaft deutlich zu machen. Wer es denn deutlich machen muss, soll es halt weiter tun. Ich pflege Freundschaften zu Menschen.

    Vielen Dank für Deinen Artikel, über dessen Thema sich noch so viel schreiben liesse. Aber wie gesagt, heute mal recht kurz nur.

    Viele Grüße von ES

    P.S. Übrigens, wie wäre es mit „Freundinschaft“ für Freundschaften zu bzw. zwischen Frauen😉

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  3. Danke für das Verschieben :o)

    . . . brüderlich mit Herz und Hand . . .

    Ein gutes Beispiel, unsere Nationalhymne. Der Textteil drückt aus, was dem Zeitgeist entsprach, Männer hatten das Ruder in der Hand. Da stellt sich die Frage, soll man das nachträglich ändern, bzw. hätten die Gründerväter der Republik das von Anfang an ändern müssen und würde sich dadurch überhaupt etwas verändern?

    Aber wie gesagt, dass Frau das anders sieht als Mann ist absolut nachvollziehbar. Mit mir ist jedenfalls jede Änderung möglich, die der Gleichberechtigung dienlich ist. Es ist ohnehin beschämend, dass wir heute überhaupt noch darüber reden müssen.

    Liebe Grüße,
    maYo

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  4. Lieber Mayo,

    für mich ist dies eher eine Frage der Wahrnehmung als der Gleichberechtigung.

    Alle Menschen werden Brüder – oder wie?

    In heutigen Zeiten eher Fehlgebrauch der Sprache- entstanden allerdings doch in ziemlich mißbräuchlicher Absicht.
    – also Mißbrauch der Sprache. So empfinde ich zu diesem Thema.

    Ninive

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  5. Hallo Mayo, ich setze deinen Kommentar hierhin, wo er doch besser passt…
    Guten Tag Ninive,

    ein interessanter Beitrag. Meine Meinung zu diesem Thema ist geteilt und sicher ist die Gleichberechtigung keine Frage der richtigen Titulierung. Erzieherin oder Erzieher, ich denke nicht in diesen Kategorien. Gut, ich bin ein Mann, dadurch ist es wohl schwer für mich, die linguistische Bedeutung für Frauen in Gänze nachzuvollziehen. Zudem stellt sich mir die Frage, kann es sein, dass dieses Thema mal wieder ein typisch deutsches ist? Jedenfalls treibt die Verweiblichung der deutschen Sprache an vielen Stellen bunte Blüten und eigentlich warte nur auf den Hebammerich.

    Viel wichtiger als die Gleichberechtigung in der Sprache, ist mir die Gleichberechtigung bei der Besetzung von Stellen und Posten. Aber auch da sind wir nicht fertig wenn die Hälfte aller Stellen durch Frauen besetzt wurde, sondern wenn Stellen jeweils mit den geeignetsten Personen besetzt werden und niemand mehr darüber nachdenken muss, ob das nun eine Frau oder ein Mann ist. Auch die Lohngerechtigkeit ist Thema. Was hat eine junge Frau davon, wenn sie einen weiblichen Titel hat, aber mit einer verachtenden Selbstverständlichkeit weniger Lohn bekommt, als der männliche Kollege. Wichtig ist, dass von der Basis an, alle Verantwortlichen umdenken. Chancengleichheit für alle. Ich für meinen Teil mache das seit Jahr und Tag und nicht zuletzt für meine eigene Tochter, damit spätestens diese irgendwann über unsere Sorgen zu dem Thema schmunzeln kann.

    Liebe Grüße,
    maYo

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