Wohl dem, der gern tut

was er muß. Oder sie, in meinem Fall. Ein Zitat das ich von meiner Mutter immer mal zu hören bekam, mit dem Hinweis – ihr Vater hätte das immer so gesagt. Über wie viele Generationen dieser Satz in der Familie weitergegeben wurde bis er bei mir landete entzieht sich meiner Kenntnis, die Wahrscheinlichkeit dass er in einer Familie von Lehrern und Pfarrern auch schon vor der Generation meines Großvaters genutzt wurde ist sicherlich als recht hoch einzuschätzen.
Mein Beruf bringt eine wiederkehrende Pflicht zu Not- und Nachtdiensten mit sich- etwas das ich tun muß, egal wie ungern. Sehr ungern- und so ist mir auch nicht besonders wohl, eine logische Konsequenz. Das fängt schon in den Tagen davor an, wie eine Gewitterwolke baut sich der Dìenst vor mir auf. Ist es dann so weit, zieht diese Wolke von dannen, hinterläßt allerdings hin und wieder Blitze und Kracher in die Nacht. So ist es ein Faszinosum wieviele Frauen nächtens vom unwiderstehlichen Drang befallen werden Gewißheit über eine mögliche Schwangerschaft zu erlangen. Oder Aufklärung über den Nutzen eines Medikaments, das ohne Beschreibung im Schrank liegt- es könnte ja in genau dieser Nacht ein Mitglied der Familie erkranken und genau dieses Medikament könnte dann von Nutzen sein! (Wobei sich diese Art von Anfrage nicht nur auf Frauen beschränkt).
Den einen oder anderen Notfall gibt es selbstredend auch, der dem Ganzen einen Sinn verleiht, wenn auch kein Wohlgefühl. Das gibt es nicht, für mich, in diesem speziellen Aspekt- ich muß es tun, ich tue es ungern, und dadurch ist mein Wohlbefinden beeinträchtigt. Inzwischen habe ich es aufgegeben dagegen anzukämpfen, der Dienst kommt, findet statt, – mit besseren und schlechteren Nächten- und geht vorüber. Bis zum nächsten Mal.

Übrigens dürfen jede Nacht ungefähr 10% aller Apotheken in Deutschland an diesem- oder ähnlich geartetem- Spaß teilnehmen. Wieviele der Verantwortlichen sich damit wohler fühlen als ich?

5 Gedanken zu “Wohl dem, der gern tut

  1. Ich kenne das gut.
    Sich bei einer Sache oder einer Tätigkeit nicht entziehen zu können,
    auch wenn man sie ungern tut.

    Das kann tatsächlich ein unüberwindbarer Berg werden.

    Hier eine kleine Sicht-Weise von mir:

    Ich muss nicht über den Berg kraxeln um auf die andere Seite zu kommen,
    ich kann auch drumheruim gehen.

    Und muss ich überhaupt auf die andere Seite? Sprich: Muß ich das machen, was ich mache oder geht auch was anderes? Ich nehme an, dieser Blog ist ja bereits ein Versuch, mal was ganz anderes anzugehen.

    ich jedenfalls habe das Bergsteigen drangegeben und ich laufe auch nur noch so weit herum, wie es mir gut tut. das heisst überhaupt nicht, dass ich mich gerade langweile. Aber das was ich gerade tu, tut mir gut, auch wenn es gerade sehr viel ist.

    Eine solche Lage wünsche ich Dir auch.

    LG ES

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    1. danke für diese Worte. Wenn es denn wieder vollbracht ist, genieße ich das Aufatmen, kann mich schon im Vorfeld darauf freuen und so dieser unangenehmen Pflicht an Gewicht nehmen. Auch das Verfassen dieses Artikels war eine Erleichterung, im wahren Sinne.

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  2. Vielleicht musst du einfach mal ganz bewusst „gern tun“. Dich mental darauf vorbereiten, wie viel Gutes du in der Nacht tun kannst, wie vielen Menschen du Erleichterung verschaffen kannst, auch wenn du dir nicht so genau erklären kannst, warum du das Werkzeug sein sollst. Und einmal dabei ganz bewusst jeden Anruf mit einem freundlichen Lächeln entgegen nehmen (Schild ans Telefon!) und jedem noch ganz ernst gemeint eine Gute Nacht wünschen. Vielleicht ist dir dann wohl… Ein Versuch wär’s doch mal wert.

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    1. ich bin skeptisch, – wieviel Energie wäre dafür notwendig, bei aus meiner Sicht sehr fraglichem Ergebnis? Lieber sorge ich für einen Lichtblick im Anschluß, eine kleine Belohnung, etwas worauf ich mich freuen kann währenddessen und genießen kann im Anschluß.

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