Kulinarischer Adventskalender- Mohnstriezel von “drieben”

Welche Freude und Ehre, als Neue in der Blogosphere, mit einem blog in dem Kochen und Backen sich den Platz mit vielen anderen Themen teilen müssen, also als eine solche Neue ein Türchen des wunderbaren kulinarischen Adventskalenders der wunderbaren zorra gestalten zu dürfen, der sich nicht nur der wunderbaren Rezepte wegen lohnt anzuschauen, es gibt zudem noch voll viele Gschänkli zu gewinnen, für die die aufmerksam mitlesen. Hab ich schon gemacht und es hat prima funktioniert….  Nun, und wenn die Technik mir gehorcht und ich alles richtig gemacht habe ist heute der 10. Dezember.

Kulinarischer Adventskalender 2012 - Türchen 10-1

Und womit fülle ich nun mein Türchen?
Kindheitserinnerungen….
Großgeworden bin ich als „Reigschmeckte“ in der Hauptstadt des Schwabenlandes, Kind einer hessischen Mutter und eines Vaters „von drieben“. Drieben, das war die Ostzone – DDR sagte man damals in den frühen und mittleren 60er Jahren nicht, drieben also gab es auch noch Großeltern. Einen Opi, der die dazu passende Omi „nur wegen des Essens“ geheiratet hat – so geht die Sage. Keine Frage, dass der traditionelle Dresdner Christstollen fester Bestandteil jedes Weihnachsfestes war, er kam per Paket, bis irgendwann meine Mutter in den Besitz des Familien-Rezepts kam- dann gingen die Stollen einige Jahre den umgekehrten Weg und fanden auch unter den hessischen Weihnachtsbäumen ihre Anhänger.
Den wunderbaren Mohnstollen allerdings, den die Omi manchmal mitschickte, der verschwand mit dieser Omi aus meinem Leben. Dabei liebte ich den viel mehr, als den „richtigen“ Stollen; mit seinen vielen Rosinen, dem Zitronat und Orangeat, und seiner festen Struktur ist der einfach kein Kinder-Gebäck. Oder?
Hingegen der Mohnstollen- wunderbar weich, ein wunderbares Aroma, das wunderbar mit einem Glas kalter Milch harmoniert- ein Genuß den mein Vater sich mit mir teilte, dem Mutter und Bruder nichts abgewinnen konnten. Und der wirklich sehr tief in meiner Vergangenheit begraben war, viele Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte. Zwar gibt es ein handschriftliches Vermächtnis der Omi, gehütet- aber doch so rudimentär verfasst dass ich mir keinesfalls zutraute aus diesen Angaben die Erinnerung wieder auferstehen zu lassen. Und es gab niemanden mehr den oder die ich hätte fragen können.

da brauchts schon Mut dieses Rezept umzusetzen

da brauchts schon Mut dieses Rezept umzusetzen

Die Jahre gingen ins Land, inzwischen war ich Mutter, tatsächlich insofern eine gute Mutter die nämlich gerne backt- und sich sogar mit dem Hefeteig anfreunden konnte- den bereits mehrfach auf diesen Seiten erwähnten Büchern der Time-Life- Reihe sei Dank. Eifrig sammelte ich Rezepte aus diversen Zeitschriften, allen voran Brigitte, und in einer Ausgabe derselben mit adventlichem Backwerk stieß ich auf dieses Rezept- Mohnstriezel! Sah der nicht meinen Mohnstollen aus der Kinderzeit ähnlich? Könnte der nicht ein ähnlich glücklich machendes Geschmacks-Erlebnis vermitteln?
Tatsächlich, er konnte!
Seitdem gibt es – nicht alle Jahre, aber doch immer wieder, Mohnstollen, als Mohnstriezel verkleidet.
Und hier kommt er nun, mein Mohnstollenstriezel „von drieben“; in Anlehnung an Brigitte und Erinnerung an die Omi.

Am Vortag kommen für den Vorteig Mehl und die in der Milch aufgelöste Hefe in eine Schüssel, werden schön verrührt und dürfen die Nacht im Backofen verbringen, bei eingeschalteter Lampe, denn der Teig soll ja nicht schlafen sondern gehen. Raumtemperatur, wenn sie denn die 20° überschreitet, sollte auch genügen- daran muß ich in meiner winterlichen Küche noch etwas arbeiten.

eifrig gegangener Vorteig

eifrig gegangener Vorteig

Am nächsten Morgen dann, nach einem stimmungsvollen Frühstück mit Kerze und Musik, wird der Teig-Ansatz begutachtet und es geht weiter. Alle restlichen Teig-Zutaten werden mit dem Vorteig zu einem wunderbar weichen Teig verknetet, der dann wiederum eine ganze Weile vor sich hin gehen darf, bis er sein Volumen deutlich vergrößert hat.

eine schön glänzende Kugel

eine schön glänzende Kugel

Zeit genug, um die Füllung vorzubereiten.
Den Mohn mahlen- ich mach das im Mahlwerk vom Zauberstab, und zwar so lange bis sich die Farbe deutlich nach schwarz verändert, und dann zusammen mit dem Grieß in die kochende Milch schütten- oder umgekehrt, was immer schüsseltechnisch praktischer erscheint. Dann die restlichen Zutaten einfach mit dem Löffel unterrühren- das duftet schon!

Alles drin und duftet....

Alles drin und duftet….

Wenn der Teig sich gut entwickelt hat, etwa eine Stunde dauerte es diesmal, wird er ausgerollt, mindestens 30 auf 35 cm, und mit der Füllung bestrichen.
Dann von beiden Seiten her aufrollen, dass sich die zwei Rollen in der Mitte treffen.
Irgendwie aufs Blech befördern- dadurch dass der Teig so schön elastisch war funktionierte das erstaunlich gut- und nochmals zugedeckt 30-45 min gehen lassen.

unfallfrei aufs Backblech geschafft....

unfallfrei aufs Backblech geschafft….

Ab in den Ofen damit, nach 35 min darf er wieder raus – er sollte eine schöne Farbe haben, nicht zu dunkel, und wird sofort mit einer Mischung aus zusammenschmolzener Butter mit Honig großzügig eingepinselt.

Prachtexemplar!

Prachtexemplar!

Und dann, kann ichs kaum erwarten das Ding anzuschneiden- als es endlich soweit ist kann ich mein Entzücken kaum in Worte fassen. So gut ist er noch nie gelungen, die Teig-Hülle weich wie ein Brioche, das Innenleben unerhört aromatisch… also nochmal, von ganz tief drin, ein herzliches Dankeschön an zorra für die Möglichkeit zur Präsentation in diesem schönen Rahmen…. und an die Omi, natürlich, von „drieben“.

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Die hard Facts

Vorteig:
100g Mehl Typ 550
100g Milch
5g Hefe

endgültiger Teig:

350g Mehl Typ 550 (ich hatte 50g durch Kastanienmehl ersetzt, schmeckt einfach noch besser)
150g Fett (Butter, oder ein Gemisch aus einem geschmacksneutralen Pflanzenöl mit Butter oder Ghee)
50g brauner Zucker
1 Prise Salz
etwas Zitronenschale und echten Vanillezucker
1 Ei
100ml Milch
10g Hefe

Füllung
250g Mohn (gemahlen, siehe Text)
250ml Milch
30g Grieß
30g gehackte Mandeln (ich hatte grade noch einen Rest Mandelblättchen, paßt auch)
75g Rumrosinen
175g Honig
etwas Zitronenschale
2 EL dunkle Schokolade, gehackt oder als Streusel, so dass sie sich gut verteilt

Backen: bei vorgeheizten 175° 35-40 minuten

Butter und Honig zum Bestreichen

schöne Scheibchen

schöne Scheibchen

und um den Genuß zu vollenden, noch ein wenig – Schnee, musikalischen

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36 Antworten zu “Kulinarischer Adventskalender- Mohnstriezel von “drieben”

  1. Was soll ich denn da schon sagen?
    Toll! Toll! Toll…

    ..und das schon am frühen Morgen.
    Ein Scheibchen für mich zum Frühstück!

    Liebe Grüße

    hey…das passt doch auch zu schwarz…

  2. Ich liebe Mohngebäck! Deine Omi hätte bestimmt ihre Freude an deinem schönen Adventskalender-Beitrag gehabt.
    Danke für das Rezept! :-)

    LG Andrea

    • Gern geschehen, es war mir ein Vergnügen diese Herzensangelegenheit zu be-schreiben, und Mohn, wie man hier nachlesen kann, läßt sich so vielseitig verbacken… danke fürs Lob!

  3. Ich liebe alles, was mit Mohn zu tun hat; und dein Striezel sieht total gelungen aus! Beim Lesen Deines Posts musste ich schmunzeln….ich war auch eine Zeitlang “Neigschmeckte” in Stuttgart. Und die Formulierung mit der “Ostzone” kommt mir auch bekannt vor. Ach, und wir durften in der Schule nie “BRD” schreiben, denn, so war das Argument, damit müßte man dann auch “DDR” schreiben, und das wäre dann eine Anerkennung der Teilung – ein Glück, dass wir uns jetzt keine Gedanken mehr um Abkürzungen machen müssen.

    • zumindest nicht um diese Abkürzungen- meine Kinder wissen damit schon garnichts mehr anzufangen, für die ist einfach “Deutschland” und sie waren auch schon ein paarmal die Dresdner Verwandtschaft besuchen, das ist sehr gut so. Abk. gibts aber noch genug… Der Striezel verursacht Glücksgefühle, immer wieder… ein schönes Stück Kindheit das immer noch fabelhaft schmeckt

  4. Hey, ich hatte auch mal so eine Omi von drieben (die hat aber vorher noch rübergemacht, die Färbung in Ihrer Sprache war aber unverkennbar). Danke für das Tolle Türchen, das bei mir Kindheitserinnerungen geweckt hat!
    LG,
    Em

    • Hallo Em- rübergemacht hatte nur mein Vater- Omi und Opi kamen als Rentner regelmäßig zu Besuch, 4 Wochen durfte man ja. Ob dies Insidergespräch jemand versteht? Freu mich über deine Kindheitserinnerung!

  5. Oha – den darf ich meinem Schatz gar nicht erst zeigen. Der schubst mich in Gedanken für einen leckeren Mohnstollenstriezel auch schon mal bei Seite…

  6. Ich kenne den Mohnstollen natürlich auch, denn ich bin “vun hiem”(So sagten wir in Westsachsen für “von hüben”). Der Mohnstollen hatte aber die Form eines Kastenkuchens und es war mehr Mohn drin. Den Mohnstrietzel gab es außerdem noch. Der war aber kein Weihnachtsgebäck, sondern wurde das ganze Jahr über gebacken. Dafür waren dann keine Rumrosinen drin, sondern nur Rosinen. Auch die Mandeln kamen nich vor, auch nicht die Ztronenschale. Und eben weniger Mohn – ein abgespeckter Mohnstollen sozusagen.
    Sehr interessant finde ich die Idee mit dem Kastanienmehl und dem Honig im Guss. Das muss ich mir merken.
    Na klar, versteh ich das “Insidergespräch”, nur dass wir, da wir ja hier geblieben sind, nicht “rübergemacht”(von “herüber”) sagten, sondern “nübergemacht”(von “hinüber”). So ist das im Leben: Alles eine Frage der Perspektive.
    Auch bei “Let it Snow”(Ein wirklich schönes Winterlied!) ist das so: Die Frauen, die wohl hier in der Mehrheit sind, finden wohl den Michael Bublé besser. Als Mann finde ich die Version von A Fine Frenzie viiiel schöner.
    So, nun habe ich meinen Senf dazugegeben zum Mohnstriezel.

    • Huhu Harald, vielen Dank für deinen ausführlichen Senf- meine Erinnerung an den traditionellen Mohnstollen der Omi ist bald 50 Jahre alt- da verschwimmen so manche Feinheiten dann doch etwas mit der Zeit. Geschmacklich hab ich ihn diesmal jedenfalls ähnlich beglückend hingekriegt, indem ich mich weitgehend an ihre Vorgaben gehalten hab. Besonders daran erschien mir auch der reichhaltige Hefeteig- sie nahm noch mehr Butter!
      Und Let it snow…. es hat auf jeden Fall gewirkt, hier ist alles weiß….. herzliche Grüße nach drüben!

  7. Ob nun herüber oder hinüber – mir egal, ich hätte jetzt gerne ein Stück von Deinem Mohndingens, ob nun Stollen oder Striezel ;-) Als Schweizerin bin ich da nämlich sowas von neutral ;-)

    • Es war mir ein Vergnügen- und ich bin sehr froh über den Anlaß, mich mit den handgeschriebenen Überlieferungen erfolgreich auseinandergesetzt zu haben- freu mich dass es so gut gefällt!

  8. Für mich bitte auch ein Stück! Der Striezel ist dir super gelungen und somite eine schöne Füllung für das Türchen und die Geschichte dazu sowieso. Dankeschön.

  9. Hmmm, tausche ein Stück sächsischen Mohnstollen gegen ein Stück von deinem Mohnstriezel!! Ok??
    Für mich als Exilsächsin besteht schon ein großer Unterschied zwischen Stollen und Striezel. Stollen wird ja durchaus auch einige Wochen gelagert, bevor er angeschnitten und verzehrt wird. Das würde dein Striezel vermutlich nicht überleben….aus diversen Gründen :>

    • ja, wie schon erwähnt, meine Erinnerung ist etwas verschwommen an den Stollen der Omi. Wobei ich mich schon weitgehend an ihren Vorgaben orientiert habe…. und die kommen aus Sachsen. Oder kamen. Also tauschen gerne, noch lieber fachsimpeln…

  10. Durch diese Diskussion über den echten wahren Mohnstollen bin ich auch auf die Seite der neutralen schweizer wilden Henne gestoßen. Auch sehr schöne Ideen vom Wilden Poulet! Den schweizerischen Federkohl mit den Karamellkartoffeln werde ich auch in der Adventszeit nachkochen.

  11. Ich bin in Dresden mit dem gleichnamigen Stollen aufgewachsen, von Mama eigenhändig gebacken… Für mich als Rosinen-Mäklerin gab es alternativ Mandelstollen. Mohnstollen esse ich gelegentlich auch ganz gern. Muss mal schauen, ob das Mohnstollenrezept, dass Mama mir kürzlich verriet, eher deinem Striezel oder dem klassischen Mohnstollen gleicht…

    • ja, Anna, ich hab auch schon mehrmals dein Mohnsipan angeschaut- irgendwann….. bestimmt! Sowieso mit meiner neuen Mitbewohnerin… demnächst mehr davon. Ulkig ist das, hab noch nie so viel mit Mohn gemacht wie seit ich unter die blogger gegangen bin…..

      Schönes Wochenende!

  12. hui der sieht wirklich zum rein beißen saftig aus!
    Ich kenne das mit den Kindheitserinnerungen ebenfalls, bei mir sind es allerdings Kartoffellebkuchen. Ich bin aber leider immer noch auf der Suche nach dem passenden Rezept.

    Liebe Grüße von drieben :-)

  13. Kartoffellebkuchen – gute Idee! Danke!
    Mit der Diskussion um den “wahren” Mohnstollen ist das sicherlich so wie mit den Maultaschen. Wir haben da in Sachsen und Thüringen den Dauerbrenner Grüne Klöße.
    Letztlich bleibt man doch der Familientradition treu. Was von der Oma kommt ist Überlieferung und damit heilig. Und das ist auch gut so. Ich experimentiere zwar mit dem Stollen jedes Jahr herum, aber einer wird mindestens immer nach dem traditionellen Rezept gebacken. Also, liebe ninivepisces, bleib Deiner Oma treu und dem überlieferten(nachkompilierten) Mohnstriezel.

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