Erbstücke

befinden sich einige in meinem Besitz, zum Teil schon sehr lange – seit die letzte meiner direkten Vorfahren, meine geliebte Oma, uns vor über 20 Jahren verließ bin ich die Älteste in diesem Familienzweig. Eine Familie von Sammlern… warum sollte man sich von etwas trennen nur weil es ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Zugegeben, zum Teil sind es Jahrzehnte und die eine oder andere Schönheit nähert sich der Hundert-Jahr- Grenze….
Kein Wunder gingen bei mir sämtliche Lämpchen an, blinkten wie wild als ich das Thema alte Schätzchen entdeckte- da war kein langes Nachdenken und Suchen erforderlich, der Griff ins Regal erfolgte sofort und die Umsetzung innerhalb von Stunden…. danke an D. von bushcooks kitchen für die schöne Idee.

Kuchenbacken war eine selten ausgeübte und ich denke wenig geliebte Tätigkeit meiner Mutter, die seltenen Male wenn dieses stattfand kam dieses Buch zum Einsatz

Dr Oetker “Backen macht Freude”

eine Ausgabe von ichweißnichtwann, vermutlich Mitte/Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und sicherlich älter als ich- die Umschlagseiten haben schon längst das Zeitliche gesegnet.

Auch meine ersten Backversuche hat dieses Buch begleitet, immer mit dem Gefühl einer etwas alchimistischen Tätigkeit nachzugehen, wie, bitte, fällt der Teig reißend vom Löffel?

ausführliche Anleitungen

Für Ahnungslose sicher wenig geeignet, dennoch gelang mir ein Marmorkuchen- und diesem Rezept bin ich bis heute treu geblieben. Irgendwann fand eine Neuausgabe den Weg in mein Regal, die steht auch noch da,- der neue Marmorkuchen konnte dem alten allerdings nicht das Wasser reichen, dies Rezept stellt also ein echtes “altes Schätzchen” dar.

Also, die Waage rausgeholt

Alchimisten- Waage

mit deren Hilfe nicht nur gebacken sondern auch das Gedeihen aller Babies in unsrer Familie dokumentiert wurde. Die Waagschale ging leider den Weg alles Irdischen, aber es läßt sich ja jedes Gefäß auf dem Gerät tarieren- bis 10 kilo schafft sie, für Feinarbeit unter 30g benutze ich allerdings inzwischen meine Löffelwaage.

Und hingeblättert zum Marmorkuchen- fällt mein Auge auf ein bisher vernachlässigtes Rezept “Mohnkuchen” der sich bei genauerem Nachlesen als Mohn-Marmor-Kuchen entpuppt.

Mohnkuchen

Es liest sich wie folgt:

Teig: 150g Mohn; – 150g Butter oder Margarine, 150g Zucker, 1 Päckchen Dr. Oetker Vanillin-Zucker, 2-3 Eier, etwas Salz, 1 Fläschchen Dr. Oetker Rum- Aroma, 500g Weizenmehl, 1 Päckchen Dr. Oetker Backpulver “Backin”, etwa 1/4 l Milch; 25g (ein gut gehäufter Eßl.) Zucker, 75g Rosinen.

Man beachte die Differenzierung durch Kommas, Semikolons, und Punkt am Ende… und kennt ihr noch diese Fläschen Backaroma, das nie, aber auch gar nie, schlecht wird? Butter-Vanille gabs da, Zitrone, und eben das erwähnte Rum- Aroma.

Weiter gehts übergangslos

Der Mohn wird gemahlen.

Man rührt das Fett schaumig und gibt nach und nach Zucker, Vanillin-Zucker, Eier und Gewürze hinzu. Das mit “Backin” gemischte und gesiebte Mehl wird abwechselnd mit der Milch untergerührt. Man verwendet nur so viel Milch, dass der Teig schwer (reißend) vom Löffel fällt.

reißend?

Dies “reißend” erschien mir in meinen jungen Jahren immer besonders suspekt….

Weiter im Text

Gut die Hälfte des Teiges wird in eine gefettete, mit geriebener Semmel ausgestreute Napfkuchenform gefüllt. Unter den Rest des Teiges mengt man den gemahlenen Mohn, den Zucker, die gewaschenen Rosinen und soviel Milch dass er wieder schwer vom Löffel fällt. Man verteilt den dunklen Teig auf dem hellen. Um eine bessere Verteilung der Mohnmasse zu erreichen, zieht man eine Gabel spiralenförmig durch die beiden Teigschichten.

Backzeit: Etwa 65 Minuten bei schwacher Mittelhitze.

frisch aus dem Ofen

Damit das ganze Stil hat, kommt ein Omi-Teller zum Einsatz

auch für obstlose Kuchen geeignet….
hmmm, wie das duftet!

Inzwischen bin ich ja eine erfahrene Bäckerin und habe die Rezept-Vorgaben meinen Vorlieben angepaßt;

statt Vanillin- Zucker verwende ich echten 10%igen Vanille-Zucker aus der Apotheke

statt Rumaroma und gewaschenen Rosinen gibt es Rumrosinen

ein halber Teelöffel Lebkuchengewürz kann auch nicht schaden.

Schätzchen, oder?

Die hard-facts:

125g Mohn, gemahlen

100g Butter

50g Sonnenblumenöl

150g Zucker

1 Teelöffel 10%iger Vanillezucker

1/2 Teelöffel Lebkuchengewürz

3 Eier

Prise Salz

500g Mehl Typ 405

1 Päckchen Backpulver (tatsächlich “Backin”)

1/4l Milch

zusätzlich in die Mohnmasse: 4 Esslöffel Rumrosinen und 3 Esslöffel des Rums in dem sie schwammen.

Puderzucker zum Bestäuben.

Backzeit ungefähr 50 min bei 175° Umluft, geprüft mit Stäbchenprobe.

And, now, let’s have another cup of coffee

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16 thoughts on “Erbstücke

  1. Obwohl ich sonst kein großer Mohn-Fan bin liest sich dein Kuchen wirklich lecker! Da würde ich auch ein Stückchen nehmen :)

    Liebe Grüße,
    Katha

  2. Bei dem reißend vom Löffel mußte ich laut lachen. Letzte Woche habe ich wieder mal einen Kuchen gebacken und mich ständig gefragt, ob der Teig jetzt so sein soll :-).

    Dieses Event wäre ohne “Backen macht Freude” nur unvollständig. Ich habe es auch, allerdings eine moderne Ausgabe aus den 80-igern. Das ganz alte steht bei meiner Mutter.

    Wenn ich was ganz klassisches backen will, dann schaue ich heute noch dort nach.

    1. ja, bushcook, dies reißend… ist mir immer noch suspekt. Seitdem ich amerikanische Rezepte kennengelernt habe, sehe ich das allerdings sehr viel gelassener. Und die neue Ausgabe steht weitgehend unbeachtet rum- nach der Marmorkuchen-Enttäuschung greife ich lieber auf das gute alte Stück zurück wenn ich was nachlesen will.

  3. Da hast du ja wirklich ein wunderschönes altes Schätzchen und der Kuchen ist dir wunderbar gelungen.
    Dass ich gerne Mohn esse weißt du ja sicher :) :)

    1. oh ja, Sybille, da haben wir was Gemeinsames- ich sage nur Buchteln, eine Wucht!
      Das ist ein schöner Kuchen für die ganze Woche- wie Nusskuchen schmeckt er am 3. Tag am Besten, und ich freu mich dass er dir gefällt. Bißchen Zitronenschale ist auch noch im Teig.

    1. danke, liebe Anna, ja, das ist sicherlich ein seltenes Stück- wenn es sogar in unsrem Haushalt wo es doch eher geschont wurde schon anfing sich aufzulösen… auch Streusel mache ich nach diesem Buch und schaue schon immer mal was nach. Und der Kuchen war super.

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